Schloss Neuschwanstein – Als Rückzugsort gedacht – zum Touristenmagneten erwacht

Das Traumschloss von Ludwig IISchloss Neuschwanstein war von König Ludwig II., dem Märchenkönig, als Rückzugsort gedacht. Heute zählt es zweifelsohne zu den meistbesuchten Schlössern in Europa. Jährlich besuchen über 1 Millionen Besucher das imposante Schloss – das märchenhafter nicht liegen könnte.

Die Räumlichkeiten, die ursprünglich nur für Einen geplant waren, teilen sich heute in besucherstarken Zeiten täglich mehr als 6.000 neugieriger Personen.

So schön das Schloss vom Sonnenkönig auch liegt: Es ist aufwendig und sehr kostenintensiv, denn das Fundament muss kontinuierlich überwacht und ggf. gesichert werden. Auch die Klimabedingungen setzen den Fassaden aus Kalkstein zu, doch die heutige Schlossverwaltung ist bemüht, den Erhalt des Schlosses zu gewährleisten. Der Freistaat Bayern als Eigentümer wird aber alles an den Erhalt setzen das dieses schöne Schloss nicht verfällt.

Das Schloss ist ein Traum aus Sehnsüchten und Idealen

Kaum ein anderes Bauwerk spiegelt so sehr die persönlichen und geheimen Träume des Erbauers wieder, wie Schloss Neuschwanstein von König Ludwig II. Hier standen einzig und alleine die Seele und die gelebte Poesie im Vordergrund, nicht die königlichen Aufgaben. Aus diesem Grund werden die zahlreichen Wandbilder von tiefmenschlichen Sehnsüchten und Ängsten geziert. Zwischen Liebespaaren und Rittern hat Ludwig II. viel Raum seinen drei Vorbildern und „Seelenverwandten“ gewidmet: dem Dichter Tannhäuser, dem Schwanenritter Lohengrin und dem Gralskönig Parzival.

Es ist traurig zu wissen das er es selbst nicht mehr voll erstellt erlebt hat, wo es doch nur auf König Ludwig II zugeschnitten war. Ich bin mir sicher es hätte ihm gefallen. Millionen von Besuchern jedes Jahr können nicht irren

Die christliche Orientierung des Schloss Neuschwanstein

Ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Gestaltung spielt der Schwan. Der Schwan ziert zum einen das Wappen vom Grafen von Schwangau und steht zum anderen im Christentum für die Reinheit, nach der König Ludwig II. eiferte.

Insgesamt nahmen religiöse Sichtweisen – neben der politischen – einen wichtigen Einfluss auf die Burgausstattung, was im Thronsaal besonders deutlich wird. Auf den ersten Blick wird einem dies kaum deutlich aber jeder mit diesem Wissen das Schlos Neuschwanstein besucht wird es sofort erkennen

Mittelalterlich und trotzdem ein technisches Meisterwerk

Was dem Augenschein nach sehr „mittelalterlich“ aussieht, ist eine Mischung der modernsten Technik und allerhöchsten Annehmlichkeiten. So wurden zum Beispiel die Räume des Schlosses mittels zentraler Heißluftheizung erwärmt. Zudem war auf jeder Etage fließendes Wasser, in den Kochräumen sogar steuerbar kalt und heiß. Die Toiletten besaßen automatische Abspülanlagen, in den oberen Stockwerken lagen Telefonanschlüsse und per elektrischer Sprechanlagen konnte das Personal dirigiert werden. Die Diener mussten die Speisen nicht über die Treppen zum König bringen, sondern konnten auf Aufzüge zurückgreifen.

Alleine die Größe der Fenster setzte nicht nur damals Maßstäbe, sondern sorgt auch heute noch bei Architekten und Handwerkern für Erstaunen.

Der Bau von Neu Schwanstein

Für den Bau des Schlossfundaments (aus Zement) wurden im Sommer 1868 zuerst 8 Meter Gestein abgetragen und eine Zufahrtstraße errichtet, sodass schließlich am 5. September 1869 der Grundstein gelegt werden konnte. Bei der Errichtung des Mauerwerks aus Kalkstein und Ziegeln wurde nichts dem Zufall überlassen und hinsichtlich Material und Technik nur die besten Mittel verwendet. Am 11. Juni 1872 feierte man für den Torbau Richtfest. Die eisenummantelte Konstruktion vom erst später geplanten Thronsaal wurde erst Anfang 1880 fertiggestellt. Erst Mitte 1884 war der Bau bis auf Details abgeschlossen – König Ludwig II. kannte sein Schloss also bis zu seinem Tod am 13. Juni 1886 „nur“ als Baustelle.